Die Geschichte einer Adoption in Russland

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Der Radiowecker ertönt mit vollem Schall

Es ist Dienstag, 28.Oktober 2003, 4.30 Uhr und es heißt aufstehen für die Reise in ein neues Zeitalter, denn unser Lufthansa-Flieger wartet Flug nach Moskauauf dem Stuttgarter Airfield, um uns, Windelpaket und sonstige Notutensilien um 6.oo Uhr über Frankfurt nach Moskau zu bringen. Der Landeanflug auf Moskau ist einfach bombastisch! Die Stadt ist weiß bepudert und wir schauen gespannt aus dem kleinen Airbus- Fenster raus, wie wir uns langsam dem russischen Boden näheren.

Auch diesmal geht die Pass-und Zollkontrolle ziemlich zügig. Unser Buggy-und Windelpaket hat den Anschluss nach Russland nicht verpasst und wir können alles am Gepäckband wieder finden. Die Koordination mit Frank Foundation klappt. Kaum haben wir unsere Gepäckstücke vom Laufband gezerrt, werden wir auch schon in einen bereitstehenden VW-Transporter geführt, dessen Fahrer uns und eine Dolmetscherin mit einer Eselsgeduld durch den Moskauer Verkehr lotst. Wir wissen zwar nicht wie;-), aber trotz spontan und urplötzlich neu eröffneteten Fahrspuren, die auch mal auf der Gegenfahrbahn sein können, landen wir nach eineinhalb Stunden im Zentrum dieser irren Stadt. Wir haben noch Zeit ! D.h. eigentlich liegen mit Sicherheit nochmals eineinhalb Stunden Autofahrt durch die Moskauer Rushhour vor uns, um zum Flughafen Domededowo zu kommen, aber wir werden jetzt erstmal vor drei kleine,Wechselstube telefon-häuschenartige Wechselstuben gestellt und aufmunternd aufgefordert, uns rubelmäßig flüssig zu machen. Ich bevorzuge da ganz schnell meine liebe Kornelia reinzuschicken, die auch nach langem Warten mit einem dickel Bündel Rubel wieder rauskommt und der Hoffnung auch wirklich alles Geld vom Schnellauszahler eingesammelt zu haben, während ich brav vor der Tür ausgeharrt habe. Naja, zwei Personen hätten auch gar keinen Platz da drin. Wir nützen die übrige Zeit und futtern uns in einem sehr schönen, nostalgischen Lokal durch die aufgereihten Speisebuffets, bis wir wieder über Moskauer Asphaltwege Richtung Flughafen stauen.

Es ist kurz vor 21.00 Uhr und wir stehen auf der Rolltreppe zum Orenburg-Flieger. Es ist saukalt!, der Wind pfeift uns auf dem Rollfeld um die Ohren und jeder hebt krampfhaft seine Bordkarte in der Hand, immer mit der Angst beim nächsten Windstoss fliegt auch dieser Passagierschein davon. Ich glaub ich war noch nie so lange, so eiskalter Luft ausgesetzt. Jedenfalls es kommt mir ewig vor bis wir endlich die Köpfe einziehen und durch die Luke ins wohlig, warme Innere dieses Blechmobils kommen.

TupolevUns bleibt die Spucke weg...dieses Flugzeug ist die absolute Härte und ein besseres Kontrastprogramm zum morgigen Lufthansa-Flieger konnte es nicht sein. Die Gurte sind verschlissen, die Wand - und Deckenverkleidung hängt stellenweise lose herunter, ab und zu fliegen die Gepäcktürchen über uns auf und wir halten des öfteren mal Händchen. Was soll's jetzt haben wir schon so viel durchgestanden, dann wird das mit diesem Flug auch nicht schief gehen und ! das Abendessen im Flugzeug ist echt lecker, der Lautsprecher des Kapitäns ist zum Gröhlen und die Crew ist trotz Sprachbarriere nett. Wir müssen natürlich auch sagen, auf der ersten Reise war die Tupolev-Maschine nicht so fertig. Also Orenburg-Airline hat auch noch ein paar jüngere auf Lager ;-)

Landung in Orenburg, es ist 1.00 Uhr Ortszeit und die Aussentemperatur ist nicht gerade wärmer geworden. Vorsichtig gehen wir auf vereistem Rollfeld Richtung bereitsehende, warme Autos. Wir wissen nicht genau, wo es hin geht...aber wir ergeben uns und harren der Dinge, die uns durch holprige, nicht gerade schlaglocharme dunkle Straßen führen. Ich bemerke, dass mein sonst gut ausgeprägter Orientierungssinn die Kompassnadel verloren hat. Dafür ist unser Fahrer guter Dinge und macht keinen ortsunkundigen Eindruck, während wir nach 40 minütiger Fahrt vor einem Wohnblock stehen. Die Eingangstür steht offen und wir traben brav hinter her. Der Treppenaufgang schreit : "Stopp...nicht weiter...seid ihr lebensmüde!?" Aber inzwischen sind wir überzeugt, unsere Begleiter wissen, was sie tun. Der Fahrer klopft an eine Tür, die sich nach einer zwischengelagerten zweiten Tür und 'zig Sicherheitsverriegelungen öffnet. Und ?! vor uns steht ein liebes, barfüßiges Ehepaar, das uns herzlich in ihrer gemütlichen Wohnung aufnimmt :-)

Inzwischen ist es 3.oo Uhr morgens und wir fallen erschöpft in die Federn ohne eigentlich schlafen zu können. Es ist warm, nein es ist heiß und es gibt absolut keine Möglichkeit die Heizung abzustellen, uns läuft regelrecht das Wasser runter.

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